Gondeln

Gondeltaufe 1999, Juni


Information für Sie über die Gondelfahrten auf der Weißen Elster

  • Gondelfahrten dauern circa eine Stunde
  • In einer Gondel können, unabhängig des Preises, bis 5 Personen fahren
  • Der Preis der Gondelfahrt, unabhängig von der Personenzahl, ist 85 €.
  • Wir vergeben die Termine für die Gondelfahrten nur telefonisch unter 0341/480 26 26 (in unseren täglichen Öffnungszeiten)
  • Bei der Reservierung ist die Angabe einer Mobilfunknummer erforderlich (zur Absprache bei Witterungsänderungen o.ä)
  • Wir stellen Ihnen auf Wunsch gern Gutscheine aus (Anfrage erfolgt per e-mail mit der Angabe Ihrer Anschrift)

Das Team vom Ristorante freut sich auf Ihren Besuch und wünscht eine angenehme Gondelfahrt


THE WALL STREET JOURNAL

Titelseite von Donnerstag, den 28. September 2000

„Gondolas in Leipzig? A german problem and quite a ride“

Ein Hauch von Venedig ist der Bürokratie schwer zu verkaufen. Doch der Veranstalter läßt sich nicht entmutigen.


von William Boston, Reporter des Wall Street Journal

LEIPZIG, Deutschland- Für manchen ist die Weiße Elster ein schlammiges Flüßchen in einer naßkalten Schlucht zerfallender Lagerhäuser. Doch wenn Vito Signorello, ein 46jähriger sizilianischer Einwanderer mit lackschwarzem Haar und geschäftstüchtigem Lächeln, aus seinem an dem Flußufer gelegenen Restaurant schaute, träumte er von Venedig.

Ristorante da Vito Im März des vergangenen Jahres erwarb er zwei gebrauchte venezianische Gondeln. Von der Aussicht, einen Hauch Venedig in die triste Handelsstadt im früheren Ostdeutschland zu bringen, waren Ortsansässige hingerissen. Die Reudnitzer Brauerei brachte die Gondeln mit einem ihrer Transporter über die österreichischen Alpen hierher. Leipzigs Oberbürgermeister ließ sich mit Herrn Signorello ablichten, als die Gondeln zu Wasser gelassen wurden.

Doch dann begann ein Bürokrat, hier Wellen zu schlagen, und verwickelte Herrn Signorello in eine jahrelange Odyssee, welche seinen Traum um ein Haar davongespült hätte. Das Restaurant von Herrn Signorello befindet sich in der Nonnenstraße 11 b. Die Leipziger Wasserbehörde sitzt in der Nonnenstraße 5c, nur ein paar Hausnummern weiter auf der gleichen Straßenseite, und sie überblickt den Fluß. Eines Tages im April des vergangenen Jahres spähte ein Mitarbeiter der Wasserbehörde aus seinem Fenster und erblickte eine neue Bootsanlegestelle in der Weißen Elster unterhalb des Ristorante da Vito.

Eine schnelle Überprüfung der öffentlichen Vorschriften erfolgte, und „Herr Vito“, wie er allgemein genannt wird, schien versunken zu sein: Er hatte keine Genehmigung. Hat die Regierung einmal einen ungenehmigten Bootsanlegesteg entdeckt, schließt sie darauf, daß es auch ein nicht genehmigtes Boot geben muß. Boote, mit denen zahlende Passagiere befördert werden, bedürfen einer Lizenz. Doch noch niemals hatte hier jemand für eine Gondel eine solche erteilt.

Christoph Schulz von der Wasserbehörde forderte Herrn Signorello auf, eine Genehmigung für den Anlegesteg zu beantragen. Herr Signorello ignorierte ihn – und fuhr weiterhin fort, Gäste mit seinen Booten zu befördern, welche er für etwa 40 $ pro Stunde vermietet, Gondoliere inklusive.

„Va bene“, sagt er, und wirft einen Blick auf seinen sizilianischen Cousin Giuseppe Licari, welcher sich soeben mit einer neuen Gruppe Passagiere vom blau gestrichenen Dock abstößt. Herr Signorello hat Herrn Licari, 29, vor der Arbeitslosigkeit in Deutschland gerettet, ihm ein schwarz- weiß gestreiftes Shirt und einen Strohhut angezogen und ihn zu dem gemacht, was er heute ist: einer von zwei italienischen Gondolieri in Leipzig.

Herr Signorello erhielt einen Brief, in welchem ihm mitgeteilt wurde, daß er keine Erlaubnis für den Bau der Anlegestelle beantragt habe, dies illegal sei und er dafür bestraft werden könne. Er wurde aufgefordert, „dieses Versäumnis unverzüglich zu korrigieren“. Darüber hinaus sollte er eine Architektenzeichnung des Anlegestegs vorlegen, mit genauen Abmessungen und einer Beschreibung- in zwei Ausfertigungen.

Zwei Wochen später schrieb Martin Fischer vom Ordnungsamt, daß auch seine Gondeln und die Gondelführer Papiere benötigten. In Leipzig müssen alle Passagiere gegen Entgelt befördernden Boote und Schiffe registriert sein, und ihre Führer müssen eine Lizenz haben, in diesem Falle eine Ruderlizenz. „Das gibt es ja nicht einmal in Venedig!“, klagt Herr Signorello.

Er berichtet, daß ihm die Beamten in Leipzig zuerst mitgeteilt hätten, daß seine Gondelführer ja Italiener seien, und weil sie in Italien keine Ruderlizenz benötigten, bräuchten sie auch hier eine solche nicht. Darüber kann Herr Fischer nur lachen. Nur weil ihr Italiener seid, heißt das nicht automatisch, daß ihr auch rudern könnt, meint er. Sodann entschied Doris Kretschmer, welche als Direktorin der Wasserregisterbehörde die Aufsicht über die Untersuchung übernahm, daß es keine Ausnahme von der Erlaubnispflicht geben werde, nur weil die Gondolieri aus Italien kommen.

Die Aufmerksamkeit der Bürokratie für Gondeln hat eine lange Geschichte. Im Jahre 1562 mußte der Doge in Venedig intervenieren, als die Rivalität wohlhabender Venezianer, wer wohl die eleganteste Gondel sein eigen nenne, aus dem Ruder lief. Der Doge ordnete an, alle diese Boote schwarz anzustreichen, und so ist es noch heute. Aber auch in den USA, wo es schätzungsweise 23 Gondelbetreiber gibt, rufen Gondeln Stirnrunzeln hervor. „Es ist einfacher, in New York ein Striplokal aufzumachen, als eine Betriebserlaubnis für eine Gondel zu bekommen“, sagt Eric Johnson, 26, welcher vor einigen Jahren New York verließ, um ein Gondelunternehmen in Coronado, Californien, zu eröffnen.

„Wo ziehen Sie die Grenze zwischen einer Gondel und einem normalen Boot?“, fragt Herr Kretschmar. Herr Signorello wandte sich an die Rechtsanwältin Christine Brümmendorf. „Das alles ist so typisch deutsch“, sagt die 27jährige Rechtsanwältin, „für jeden kleinen Unsinn gibt es ein Gesetz“.

Außer der Weißen Elster und ein paar Kanälen gibt es in Leipzig keine nennenswerten Wasserwege. Leipzig hat nicht einmal eine Schiffsregisterbehörde. So bat die Stadtverwaltung Brandenburg, die Boote von Herrn Signorello zu überprüfen und deren Gondelführer zu lizensieren; Brandenburg verfügt über Flüsse, welche in die Ost- und in die Nordsee münden, und hat Behörden, welche sich mit derartigen Dingen befassen. Doch sogar Brandenburg hatte keinerlei speziell auf Gondeln zugeschnittene Regelungen.

„Wir beschäftigen uns hier mit allem möglichen vom einfachen Flachboot bis hin zum großen Hochseeschiff. Doch außer einer einmaligen Fahrt in einer Gondel in Venedig hatte ich noch nie zuvor irgendetwas mit Gondeln zu tun“, sagt Klaus Sass von der Brandenburger Landesbehörde für Verkehr und Straßenbau in Dahlwitz- Hoppegarten, einer kleinen Stadt außerhalb Berlins.

Mittlerweile war es August geworden, und Herr Signorello war immer noch nicht weitergekommen. Aus diesem Grunde schrieb seine Rechtsanwältin an Herrn Sass: „Teilen Sie uns mit, was erforderlich ist, um eine Genehmigung für den Betrieb original venezianischer Gondeln auf den Wasserwegen der neuen Bundesländer zu erhalten.“

Doch Herr Sass, welcher mit der Begutachtung der Gondeln und der Erteilung der Lizenzen betraut worden war, und Wolfgang Heilemann vom Leipziger Ordnungsamt konnten Rechtsanwältin Brümmendorf noch immer nicht mitteilen, wann die Gondelführer nun endlich ihre Prüfung ablegen können.

In einem fünfseitigen Schreiben vom 24. August 1999 erteilte der Leipziger Beamte, welcher fünf Monate zuvor das Verfahren mit seinem Anruf wegen des Anlegestegs bei Herrn Signorello ins Rollen gebracht hatte, schließlich eine Genehmigung für eine „schwimmende Bootsanlegestelle, 14 Fuß lang, 5 Fuß breit“.

Schon kurz darauf waren sich die Stadt Leipzig und Herr Sass einig, daß das Sächsische Wassergesetz – zuletzt 1987 durch die Kommunisten geändert – die rechtliche Grundlage für die Registrierung der Gondeln von Herrn Signorello sei.

Als Herr Signorello dann erfuhr, daß er die alten Anforderungen des früheren ostdeutschen Rechts zu erfüllen hat, wurde sein Gesicht bleich. Er hält einen Papierstapel mit einem Deckblatt in die Höhe, auf welchem das Emblem des „Arbeiter- und Bauern- Staates“, wie die alte kommunistische Partei Ostdeutschland nannte, prangt. (Sachsen ist das einzige deutsche Bundesland, welches noch die ostdeutschen Vorschriften für Binnenwasserstraßen anwendet, welche auf Herrn Signorello anzuwenden versucht wurden.)

„Die sind doch nicht normal“, sagt Herr Signorello. „Ich bin ein geborener Antikommunist. Als ich vor fünf Jahren hierher kam, sah die Nonnenstraße wie eine Kriegszone aus. Das Haus, in welchem sich mein Restaurant befindet, war das einzige sanierte Gebäude.“

Dann unterbreitete Herr Sass einen Vorschlag. In einem anderen Fall sei das Institut für Freizeit- und Sportforschung in Berlin zu dem Ergebnis gekommen, daß die Vorschriften für die Lizensierung der Ruderer der traditionellen flachen Boote im Spreewald, einem bewaldeten und von Kanälen durchzogenen Gebiet im Süden Berlins, auch auf Gondeln angewendet werden könnten. Sollte dies ein Präzedenzfall werden?

Herr Signorello, welcher den Gondelbetrieb nie eingestellt hatte, war skeptisch. Sicher, die Führer der Spreewaldboote stehen in ihren Booten und tauchen die Stangen in das dunkle Wasser der Spree, was die Boote im Spreewald mit den Gondeln Venedigs gemeinsam haben. Aber: Spreewaldboote werden gestakt. Gondeln werden gerudert.

Anders als ein Ruderboot hat eine Gondel keinen Kiel und ist zudem asymmetrisch. Eine Gondel ist nach der rechten Seite hin geneigt. Der Gondoliere steht links auf einer hohen Heckbank. Das Ruder, welches ungefähr 14 Fuß lang ist, ruht in einer Halterung, welche wie ein nach rechts oben gebogener Arm geformt ist. Das Ruder verläßt niemals das Wasser.

Um seinen Cousin, Herrn Licari, das Rudern zu lehren, holte Herr Signorello den 75jährigen venezianischen Gondoliere Silvio Siebezzi nach Leipzig. „Mann, der hat mich ganz schön angebrüllt“, erinnert sich Herr Licari. „Aber Du hast es gelernt“, fügt Herr Signorello lachend hinzu.

Mit Herannahen des Winters unterbrach Herr Sass die Inspektion der Gondeln und die Prüfung der Gondelführer bis zum Frühling. Im April 2000, ein Jahr nach der Entdeckung des nicht genehmigten Bootssteges, fuhr Herr Sass 148 Meilen nach Leipzig. Er vermaß die Gondeln vom Bug bis zum Heck, klopfte mit seinen Fingern auf die Bootsseiten und erklärte Herrn Signorello, daß er für jeden Passagier eine Rettungsweste mitnehmen müsse. Nachdem dies erledigt war, händigte Herr Sass die Registrierung von „Francesca“ und Marco“, der beiden Gondeln, Herrn Signorello aus.

Um ihre Lizenzen zu bekommen, mußten die beiden Gondolieri noch beweisen, daß sie „die Theorie in die Praxis umsetzen“ und „verschiedene Schiffsmanöver ausführen“ können, erinnert sich Herr Sass. Die beiden hatten auch noch einen medizinischen Test durch einen vom Medizinischen Dienst der Berufsorganisation der Binnenschiffahrt anerkannten Arzt zu bestehen. Im folgenden Monat fuhren Herr Signorello und die beiden Kandidaten genau die gleichen 148 Meilen nach Dahlwitz- Hoppegarten, um eine 30minütige schriftliche Prüfung abzulegen.

Im Mai 2000, nach 14 Monaten, 34 Briefen zwischen der Rechtsanwältin von Herrn Signorello und verschiedenen Behörden sowie ungezählten Telefonaten, erteilte Herr Sass gegen eine Gebühr von umgerechnet etwa 240$ Herrn Licari den Fluß- Führerschein Nr. 0333.


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